Verliebt, verlobt, verlernt?!

Verlieben…wie ging das noch gleich? "Verlieben ist wie Fahrradfahren. Das verlernt man nicht!" Diesen klugen Ausspruch brachte mir letzt ein äußerst weises Familienmitglied entgegen (vielleicht erinnert ihr euch an den netten Großonkel, der mich auf jeder Familienfeier nach meinem Beziehungsstatus fragt…). Nun gut, wenn man 2-wöchige Urlaubsbekanntschaften in wohltemperierten Ländern als Verliebtsein bezeichen möchte – ja, dann mag da wohl was dran sein.

Aber ich mein so richtig verlieben. So wie im Film. Oder zumindest wie bei meinen Freundinnen. Schlaflose Nächte, pausenloses Aneinanderdenken, kitschige Nachrichten, jede freie Minute miteinander verbringen…Wie geht denn das? Ich hab das Gefühl, man kann es nämlich doch verlernen. Es ist ja nicht so, als wäre ich nie verliebt gewesen. Irgendwo, ganz tief drinnen, in der Seele oder im Herzen oder im Bauch (wo passiert das denn eigentlich?) weiß ich noch, wie sich das angefühlt hat. Aber ich bekomm das einfach nicht mehr hin. Ich bin mit einer ziemlich kitschigen Vorstellung von der großen und einzigen Liebe aufgewachsen. Meine Großeltern waren 60 Jahre verheiratet, bevor sie starben. Meine Eltern sind seit fast 34 Jahren ein Paar, feiern dieses Jahr Silberhochzeit und säuseln sich noch immer mindestens einmal am Tag ein "Ich liebe Dich" ins Ohr. Ich habe gelernt, dass es die Liebe gibt. Ich habe auch gelernt, dass Liebe endlos sein kann und harmonisch und bedingungslos. Und dass es neben jeder dritten Ehe, die geschieden wird, auch noch die beiden Ehen dazwischen gibt, die halten. Diese fiese, kitschige Traumvorstellung vom Ehemann, zwei Kindern und Hund hat sich fest in meiner Vorstellung von der Zukunft verankert. Aber anscheinend nur da. Ich bin keines dieser verzweifelten Singlemädchen, dass sich unbedingt verlieben will. Im Gegenteil – manchmal bin ich so gerne Single, dass mir auch das Angst macht.

Aber dann, wenn alle um dich herum beflügelt durch die Gegend schweben, es nur noch DAS eine Thema gibt und alle Freundinnen sich mit ihrem Freund, Partner, Lebensabschnittsgefährten oder sogar Ehemann verabreden, ja, dann kommt auch bei mir so ein bisschen Wehmut und Sehnsucht auf. Ich will ja gar nicht direkt dieses ganz große Ding mit allem drum und dran. Nur so ein – zwei kleine Schmetterlinge. Nur wissen, ob es noch "funktioniert", die Sache mit dem Herzklopfen. Oder ob der böse Herzensbrecher von damals tatsächlich jede Fähigkeit dazu mitgenommen hat. Jedes Vertrauen in die Männerwelt und wohl auch ein bisschen Vertrauen in mich selbst. Denn wenn ich kurz mal die Sache mit dem Selbstbetrug (überzeugter Single und so ;)) weglasse, stelle ich immer wieder fest: sobald es ernst wird, blockiere ich. Ich kneife, blocke ab, mach einen Rückzieher – bloß kein Mann in meinem Leben. Bloß nicht öffnen und verletzlich machen.

Eines aber weiß ich ganz sicher: Den Glauben an die große Liebe habe ich nicht verloren. Ich rede mir ziemlich erfolgreich ein, dass das mit dem Verlieben und der Liebe und den Kindern und dem Hund schon klappt, wenn DER Richtige um die Ecke kommt. Um auf meinen Großonkel zurückzukommen: Vielleicht fahre ich noch mit Stützrädern und muss mich nur trauen, sie abzulegen. Nur eines, das weiß ich eben noch nicht – nämlich, wie das klappen soll.

 

Was meint ihr? Kann man das Verlieben verlernen? Und wie kann man es wieder erlernen? Tipps? :)

Foto: Sarina Schütze / www.jugendfotos.de

4 Comments

  • Antworten Juni 1, 2014

    Nadja

    Ich weiß genau was du meinst.. Ich glaub nicht, dass man das Verlieben verlernen kann, man kann allerdings lernen sich selbst so zu verschließen, dass man sich vor der Liebe versteckt.. Vllt bemerkt man dann einfach nicht mehr, wenn die Liebe vor einem steht, wenn eben genau DER Richtige um die Ecke biegt – davor hab ich Angst.. das kann natürlich auch passieren, wenn man daran verliebt ist verliebt zu sein, sich vorzustellen in jmd verliebt zu sein, obwohl derjenige nicht DER Richtige ist, sondern im Grunde nur derjenige von dem man sich wünscht, dass er zu einem passt.. Weißt du was ich meine? Die Liebe ist einfach das schwierigste Gefühl…

    • Antworten Juni 5, 2014

      Pia

      Ja, ich weiß völlig, was du meinst. Ich kenne das von vielen Freunden/Freundinnen, die nicht alleine sein mögen. Die klammern sich dann immer an jedes kleinste Gefühl und halten es für die Liebe. Aber meist ist es tatsächlich nur der Wunsch, sie diesmal aber wirklich gefunden zu haben. Vollkommen anders als die Male zuvor… ;)

      Ich weiß gar nicht, was da besser ist. Meine Variante schützt mich zumindest völlig vor diesem Gefühlschoas. Mittlerweile ists halt eher so – „ich brauch mir doch gar keine Gedanken machen, ich bin doch eh nicht verliebt“
      Aber vielleicht zeigt einem das Gefühlschaos zumindest, dass man noch fühlen kann :D

      Ach, welch ein Drama dieses Thema…am Ende muss man doch einfach mit dem glücklich sein, das man hat oder auch nicht hat. Oder? :)

  • Antworten Juni 5, 2014

    Tänne

    Dem hab ich nichts hinzuzufügen, liebe Pia… der Text hätte einszueins auch von mir stammen können. Ob das jetzt positiv ist, dass wir beide emotional verkrüppelt sind, weiß ich ned… aber… minus mal minus & so, ne? XD

    Ich bandele aktuell gerade mit einem Typen an & hab ihm auch erzählt, dass ich ein wenig… nunja… abweisend wirken kann, aber dass das nur mein Schutzschild ist, wodurch ich aber leider einige direkt verschrecke… er meinte, ihm sei das auch aufgefallen. Huch. „Aber ich bin ja noch da! ;)“ Das freut.

    Wenn der vermeindlich Richtige da ist, entkrüppelt der uns sicher & wie lernen das Lieben. Ich bin fest überzeugt. BÄM!

    • Antworten Juni 5, 2014

      Pia

      Es gibt sicher ganz viele unserer Art:D. Aber Frauen glaubt man das doch nie irgendwie. Den eilt nach wie vor der Ruf voraus, sich eh immer sofort zu verlieben. Darf ich mir zumindest oft anhören :D

      Das Ding ist ja auch – im Grunde ist es ja weit weniger belastend, keine Gefühle zu haben als z.B. unerwiderte. Weißt du, was ich meine? Was man nicht hat, vermisst man ja auch nicht. Zumindest aktuell. Aber wenn ich mit dieser Einstellung mal so meine längerfristige Lebensplanung betrachte…dann wird mir wiederum Angst und Bange. :D

      Dann wäre mir wieder eine Entkrüppelung ganz recht. Aber kommt Zeit kommt Rat, oder wie war das? :D

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