Leben und Leben lassen

Leben. Leben lassen. Das Leben einfach mal Leben sein lassen. Gar nicht so einfach manchmal.

 

Ich versuche es ja. Das Leben zu lieben, seine Macken zu tolerieren und Fünfe gerade sein zu lassen. Aber lässt das Leben mich auch mal? Ich will doch auch nur einmal ein bisschen meine Ruhe haben, nicht von allen Seiten gezwickt und gepiesackt werden: Mach dies! Tu das! Guck hier! Guck da!

 

Ich bin ausgebrannt. „Burnout“ würde das Internet ausspucken, wenn ich nach meinen Symptomen suche. „Google, sag mir wieso mein Kreislauf spinnt und ich Magenprobleme habe! Außerdem kannst du noch nach Müdigkeit, blödes Immunsystem und ‚ich zick meinen Freund an‘ suchen.“

 

„Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine. Ich komm bestimmt, ich komm bestimmt bald wieder auf die Beine.“

… wie ein bekanntes Kinderlied von Rolf Z. zu singen pflegt. Ich bin doch Supertänne, die alles unter einen Hut bekommt, keinen Schlaf braucht und deren Wunderelexier „Kaffee“ alles möglich macht.

 

Supertänne hat gerade eine fette Schelle bekommen und kriecht auf dem Zahnfleisch. Da hab ich doch Gestern sogar Männe wegen Vasen angepflaumt. Vasen! Herrje. Kurze Zusammenfassung: Meine Mutti hat Geburtstag und wünscht sich Vasen. Tanja fragt Männe (der werktags ja aktuell noch in Hannover verweilt), ob er das Vasen-Ding übernehmen kann. Er meint, ich könne das besser. Gut, vielleicht. Aber es gibt ja Schmatfons mit denen man Bilder verschicken kann. Egal. Ende vom Lied: Selbstmitleids-Tänne sitzt alleine im Kaufhaus und ist den Tränen nahe, weil sie absolut keine scheiß Vasen gefunden und 1 1/2h ihrer Zeit verplempert hat, die sie besser hätte nutzen können. Mal wieder Sport zum Beispiel. Ich vermisse das.

So ruft sie Männe an und faltete ihn zusammen. Ein bisschen. Um dann nach Hause zu fahren und die Tränen auf den Wind zu schieben. Mehr als „Das perfekte Dinner“ gucken und sich Essen reinzuzwingen, weil der Appetit nicht vorhanden war, war dann auch nicht drin. Tag im Eimer. Positiv war bloß noch, dass Männe nochmal los ist und im ersten Laden was gefunden hat. Hätte man auch einfach haben können, oder?

 

Foto: Madstreetz via flickr.com (CC BY-ND 2.0)

Foto: Madstreetz via flickr.com (CC BY-ND 2.0)

 

Hab herausgefunden, dass das wohl so ein Männer-Ding ist. Jeden Tag sagen, dass man gestresst und überfordert ist, hilft nicht. Auch nicht, dass ich schon um Hilfe bitte. Obwohl das beides bei mir offensichtliche Indizien dafür sein sollten, dass wirklich alles zu viel ist. Ich gestehe Schwäche so gar nicht gerne ein. Titten aufn Tisch! Merk ich mir für’s nächste Mal… Und an die Männer: Gibt es nicht so etwas wie einen VHS Kurs in Zwischen-den-Zeilen-lesen?

 

Ich merke, dieser Text ist sehr Ich-lastig. Gar nicht mein Stil. Aber da ich Einzelkind bin, nehme ich mir dieses Stilmittel einmal heraus und erachte es als durchaus legitim.

 

An Theatralik und Selbstmitleid nicht zu übertreffen diese Zeilen, aber wie zur Hölle soll ich es denn sonst ausdrücken? Bringt ja nichts, drumherum zu reden. Ihr wisst, ich bin ein Fan von „Titten aufn Tisch!“ und das in allen Lebenslagen. Manchmal muss jedoch selbst ich über meinen Schatten springen. Wer hätte das gedacht?

Reden hilft. In diesem Fall halt schreiben. Meine Güte, ich texte hier eine Kolumne, natürlich muss ich da offen und ehrlich sein und meinen Lesern (Hallo. Ich grüße euch hiermit alle. Schön, dass ihr da seid.) Futter geben. Guten Appetit!

“Ist dein Hirn auch weggelaufen?” fragte eine Freundin mich neulich als ich mal wieder unter Wortfindungsstörungen litt. “Ich glaube schon”, antwortete ich. “Es läuft hier gerade mit seinen kleinen Armen wedelnd durchs Wohnzimmer. Schön zickzack und im Kreis, immer hin und her.”

 

 

Tüddelü.

Eure Tänne

 

Titelbild: Dennis Skley via flickr.com (CC BY-ND 2.0) 

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