Kreatief.

Meine Freunde wissen alle, wie sehr ich Drama liebe. Also nicht nur von Schiller, sondern am liebsten etwas moderner, mit mir in einer der Rollen.

Meine Mitbewohnerin bezeichnet meinen Männergeschmack liebevoll als “bizarr aussehende Psychos” und damit liegt sie gar nicht so falsch. Wer wie sie ohne psychische Krankheit ist, werfe den ersten Stein.

 

Immer wenn ich dann wieder ein riesiges Drama in meinem (bevorzugt Liebes-) Leben kreiert habe, frage ich mich die typische Frage der Literaturwissenschaft, ob man nur darüber richtig gut schreiben kann, was man auch wirklich erlebt hat oder ob ich dieses ganze Drama auch einfach fiktiv verfassen könnte, anstatt Freitagnacht Rotweinflaschen zu leeren und in krakeliger Schrift liebestolle Briefe an den unerreichbaren Angebeten du jour zu schreiben.

Solange ich noch nicht sicher bin, ob Kreativität durch Leiden genährt wird, mehren sich die Rotweinflaschen in unserer Küche. Sobald man nicht mehr zur Spüle durchkommt, dürfte mein Buch fertig sein.

 

 

Vielleicht hätte ich niemals Musik von Amy Winehouse hören oder das Buch “Vincent” von Joey Goebel lesen sollen, in dem talentierte Kinder jahrelang von ihren Kunstagenten gequält werden, um gute Kunst zu produzieren.

Ich hoffe immer, dass Kummer mich zum Künstler macht, dass ich weinend wunderschöne Lyrik schreibe oder einen Bestseller rausbringe, wenn die Liebe meines Lebens mich wie Dreck behandelt, während ich mit verschmierter Mascara in den bläulich flimmernden Clubs dieser Stadt versuche, mich durch einen austauschbaren nackten Körper zu trösten.

 

 

Mein kreativer Schaffensprozess ähnelt insofern einem kleinen Kind auf dem Rücksitz des Autos. Nur statt monoton “Sind wir schon da? Sind wir schon da?!” zu rufen, rufe ich monoton weinend “Schreibe ich schon gut? Schreibe ich schon gut?”

 

Wenn euch die Kolumne also nicht gefällt… Kommt zu mir, schlaft mit mir und stöhnt dabei den Namen eurer Ex!

 

Titelbild: Untitled by Alice Barigelli via flickr.com (CC BY 2.0)

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