Der Wusa-Moment.

Ich: “Eine Woche nach dem Kiellauf würde ich gerne an einem Lauf teilnehmen, um zu gucken, ob das Training was gebracht hat…”

Er: “Wann ist das denn?”


*wuuuuusaaaaa* Tief durchatmen. Es ist ja nicht so als hätte ich das schon drölfzig mal erzählt. Als wäre es nicht desöfteren Thema, dass ich am 12. September nicht am Survival Run teilnehmen kann, weil wir da auf einer Hochzeit sind. Und als könnte ich nicht aus dem selben Grund am 13. September nicht am Kiellauf teilnehmen. Nein, darüber haben wir nicht bereits mehrere Gespräche geführt. Dass ich ja stattdessen beim Stadtwerke Lauf in Lübeck einen Monat später mitlaufen möchte oder so. Der Kurs ist auch nicht extra für den Kiellauf und geht dementsprechend sechs Wochen bis zum Lauf. Nein, nein.

*wuuuuusaaaaa*

Statt loszupoltern, habe ich tief eingeatmet, die Augen geschlossen, meine Ohrläppchen massiert, wieder ausgeatmet und die Frage beantwortet.

Männer sind so. Für Männer sind andere Dinge wichtig als für Frauen. Fakt. Aber welche sind das? Woran macht man das fest? Kann man sagen “Mann, merk dir ab sofort Dinge, die mir emotional nahe gehen und mir wichtig sind, damit ich merke, dass ich dir wichtig bin!” und Mann versteht das? Mhm… nein. So einfach wird das nicht funktionieren.

Aber das ist auch gar nicht schlimm. Männer sind anders, Frauen auch. Bescheuerter Titel eines bescheuerten Buches, was ich nie gelesen habe, weil ich es bescheuert finde. Aber an der Aussage ist zumindest etwas dran.

Während die meisten Frauen zumindest gerne einen groben Plan haben und sich beispielsweise auf bestimmte Dinge am Abend freuen, sind Männer eher so “Guck mal Maus, ich hab dir deine Lieblings-Buttermilch gekauft!” und sie denkt sich so “Äh, okay… und wer hat die Wäsche gemacht und den Geschirrspüler ausgeräumt? Soll ich das jetzt wieder machen nach dem harten Tag?” Lieb gemeint. Jedoch kein Ausgleich. Aber er hat es nett gemeint also, tiiief durchatmen: Wusa-Moment.

Er merkt sich vielleicht nicht, an welchem Tag sie sich kennengelernt haben oder wie der Zweitname ihrer Mutter ist. Dafür weiß er, welche Schokolade sie braucht, wenn sie traurig ist und wie ihr Meerschweinchen in der dritten Klasse hieß, welches sie so geliebt hat. Sie merkt sich nicht den Namen des Schuhmodells, von dem er ständig spricht oder wie sein Charakter Diabolo III heißt, aber sie weiß wie sie an Karten für seinen Lieblingsmusiker ran kommt und wo er es liebt, geküsst zu werden.

Männer und Frauen haben andere Prioritäten. Die Kunst bei der Sache ist am Ende, den anderen nicht nach seinen Prioritäten tanzen zu lassen, sondern mit der Zeit zu erkennen, was dem anderen wichtig ist, um auf ihn einzugehen. Hierbei kann man immer nur aus sich selbst heraus agieren, aus der eigenen Erfahrung und Gedankenwelt. Es bedarf Zeit, Einfühlungsvermögen, Empathie und… Geduld. Man darf nicht erwarten, dass alles in einer Beziehung von Anfang an funktioniert.

Das klingt jetzt wahrscheinlich dramatischer als es gemeint ist. Es geht – wie so oft – um die kleinen Dinge im Leben. So wie gestern Abend im Bett als ich meinte “Oh, ich glaub, ich hab morgen einen Arzttermin!” und Männe mit “Ich glaub, das stimmt.” antwortete.

Wieso er sich das merken konnte? Weil ich mir bewusst bin, dass die Herren der Schöpfung es nicht so mit Terminen haben. Dafür gibt es doch die Frau, die sich diese merkt. Und: Einen Kalender in der Küche an dem man jeden Tag mehrfach vorbei geht.


Wuuusaaa.
Eure Tänne

Titelbild: Steven Pisano via flickr.com (CC BY 2.0)

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