Der erste Urlaub oder auch “Da!”

Endlich Urlaub. Super spontan hatten wir uns vor zwei Wochen dazu entschlossen, eine Freundin von mir in London zu besuchen. Gesagt, getan. Kurz abgesprochen, Flug gebucht und eine Woche Vorfreude vom Allerfeinsten im Gepäck. Abgesehen vom frühen Aufstehen: Um 3h nachts die REM Phase abzubrechen, um den Flug um 7h zu bekommen, ist nun echt uncool.

Während des Fluges herrschte noch “Eine himmlische Familie”-Stimmung mit Reiseführer duchstöbern und allem pipapo. In London angekommen schwang die Stimmung langsam aber sicher zu “Eine schrecklich nette Famlie” gewürzt mit einer Prise Jetlag um.

Besonders schlimm für ein perfektionistisches Einzelkind wie mich war die Tatsache, dass ich zu blöd zum Karte lesen war und wir uns meinetwegen ständig verfranst und Zeit vertrödelt haben. Als Männe helfen wollte, war das natürlich ein Stich in mein stures Herz. Ich ließ es nur widerwillig – und auch erst nachdem ich drölf verschiedene Wege alleine getestet hatte – zu, was natürlich nicht zur Stimmungserheiterung beitrug. Wie war das, Tänne? Wuuuusaaaa.

Auch schön war, als wir uns auf der Rückfahrt von London City nach Wimbledon zu meiner Freundin anschwiegen. Warum? Großer Bahnhof, große Anzeigetafeln, große Verwirrung. Männe irgendwann “Da! Unser Zug kommt dann und dann.” Ich so “Dann und dann is ja bissl spät, es fährt sicher einer früher… wo steht denn die Zeit genau?” – “Na, da.” zeigte er mit seinem Finger auf einen Punkt der zweiundachzigtausend Abfahrtszeiten. Nachdem das Wo-Da-Spiel noch eine Weile so weiterging und ich schon dezent gereizt war, konnte ich nicht anders “Schatz (böse betont, versteht sich), ich habe KEINE Ahnung wo dieses DA sein soll. Beschreib es doch bitte.” – “Mmmoooah… Wie soll ich das denn erklären?!”, fragte er merklich angepisst. “Dritte Tafel von rechts, fünfte Reihe vielleicht?!”, schlug ich ihm vor als ich die Abfahrt dann endlich selber gefunden hatte. Stille. So schwer fand ich die Beschreibung nun nicht.

Aber ich war nicht alleine. Meine Freundin flüsterte mir beim Abendessen machen zu “Ich glaub, meiner hat heute seine Tage!”. Unabhängig davon, dass ihr Freund eh kaum Deutsch versteht, Flüstern ist immer sinnvoll. Zum Beispiel auch, wenn man im Kino über die Probleme beim nächtlichen Analverkehr philosophieren möchte. Aber das nur mal so am Rande…

Die Geschehnisse auf dem Rückflug spiegelten vermutlich nur unsere Stimmung sowie Sehnsucht nach Hause wieder. Hinter uns saß eine Mutti. Ohrenscheinlich war sie Deutsche und lebte mit ihrem Mann in England, weshalb sie ihren Sohn zweisprachig erzog. Ob Sätze wie “Guck mal Sweetie, da sind ganz viele clouds!” hierbei so hilfreich für das Kind sind, sei mal dahin gestellt.
Das kleine Goldstück war leider auch ziemlich schlecht erzogen. Die ganze Zeit calm am Spielen, rastete er völlig aus als es darum ging, sich anzuschnallen und Mutti kam natürlich nicht weit mit “Alle anderen sitzen auch still. Schau mal, der kleine Junge dahinten schafft das auch. Das ist nur für deine Sicherheit.” Ich musste mich so zusammenreißen, ihr nicht verbal eine reinzuhauen. Wäre es ein Zeichentrickfilm gewesen, hätte ich meine Finger in die Armlehnen gekrallt, meine Augen hätten gezuckt und es wäre Rauch aus den Ohren an meinem puterroten Kopf gekommen.  

Zweimal Bus, einen Döner, einmal Mitfahrgelegenheit und einen Fußmarsch später waren wir endlich Zuhause angekommen und schliefen ineinander gekuschelt den Schlaf der Gerechten.

Als ich einige Tage danach meinen Mädels von unseren schönen und doch oft zickigem Urlaub berichtete, reagierten sie chorgleich “Erster Urlaub? Das war bei uns genauuuu so!” und der (zu dem Zeitpunkt noch nicht, aber jetzt schon <3) Mann meiner einen Freundin saß nickend daneben.

Fazit: Ich bin doch normal. Mein Freund auch. Okay, ich sag das böse Wort… Wir sind normal. Welch Freude. Vor dem zweiten Urlaub, hol ich mir allerdings vorher Tipps meiner Mädels, wie es bei ihnen war, damit ich weiß, worauf ich mich vorbereiten muss.


Tüddelü.
Eure Tänne

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