Das beste Beinahe

 

 

Ich bin eine Person, die wolllüstig ist, in einem sehr wortwörtlichen Sinn: Ich habe Lust zu wollen. Ich will viel, ich will alles und noch mehr, ich habe Hunger, immerzu Hungerhungerhunger und bin niemals satt. Mir reicht das Leben nicht, ich will und sehne und verlange beinahe blutrünstig.

 

Und dann musste ich vor kurzem feststellen, dass manchmal eines besser ist, als das Gewollte zu bekommen: Es nicht zu bekommen.

 

 

Longed for him. Got him. Shit.

(Margaret Atwood)

 

Ich fand jemanden toll. Dieser jemand fand mich toll. Und irgendwie klappte es nie – bis ich verstand: Es war toll, weil es nicht klappte. Weil alles wie ein ewiges Vorfreuen war, ein ewiges Vorspiel, das nie ein Ende findet, da dieser Mann mein bestes Beinahe ist.

 

Myriam_V3Es gibt jemanden, der mein bester Kuss war, jemanden, der mein bestes Lachen war, jemand, der mein bestes Vermissen war. Und es gibt ihn, der mein bestes Beinahe war. Oder ist. Denn das ist das schöne am Beinahe: Es ist immer irgendwie da, da es nie richtig endet – immerhin hat es nie wirklich stattgefunden. Nur eine Berührung, ein Lächeln, das Wissen, aber nie ein Kuss – nur die ewige Spannung davor.

 

Mein bestes Beinahe ist gerade in den USA, ich bin in Österreich und das ist wunderbar, denn mein Mister Beinahe hat mir eines beigebracht: Hunger hat etwas Gutes – er ist unendlich lebendig.

 

 

Und wenn man wie so viele heutzutage einen für den Sex hat, warum dann nicht auch einen für den Nicht-Sex?

 

Bild: Philipp Linstädter / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz (by-nc)

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