An die Person, die ich mal liebe

Ich werde deinen Namen vergessen.

Wir werden uns zum dritten, vierten Mal sehen, ich werde nicht mehr wissen, wie dein Gesicht aussieht und freudig strahlend die Person neben dir begrüßen: “Ohhh hi, Tom! Schön, dich wiederzusehen!

Du heißt Niklas. Oder Anna.

Und wahrscheinlich wirst du denken, dass ich egozentrisch, ignorant und unhöflich bin, wenn ich noch einmal Jana anstatt Nina sage oder Tobi anstatt Thomas.

In Wahrheit werde ich nur einfach so vorfreudig sein, wenn ich sehe, wie du mich ansiehst, lächelst, mir deine Hand entgegen hältst, um dich vorzustellen, dass ich in meinem Kopf schon hektisch durchspiele, was ich sage.

Hi, ich bin Myri. Hi, ich bin Myri. Hi, ich bin Myri”, sage ich mir innerlich wie ein Mantra vor, als hinge meine Zukunft davon ab. Und vielleicht tut sie das.

In dem Moment, in dem du deinen Namen sagst, stolpere ich in meinem Kopf über meinen eigenen Namen, so sehr will ich ihn dir beibringen, ihn irgendwann aus deinem Mund hören.

Ich werde Quatsch reden. Ich werde “der Butter” sagen und “besser wie”, ich werde mich zitternd verplappern, hektische rote Flecken vor lauter Wortdummheit bekommen und letztendlich “Tut mir leid, in meinem Kopf ist gerade Zirkus” in meine Haare nuscheln, die ich nervös hin und her wuschle.

Und du wirst sagen “Ja, ich kann die Lichter sehen” und lächeln.

Mein Papa hat mir einmal gesagt, ich solle keinem vertrauen, der mit mir sofort geschmeidig und in perfekt ausgeleuchteten Worten reden kann, mit leichtem Grinsen und fließend leichten Sätzen. Wer sieht, was du wert bist, sollte nervös sein. Wer sieht, was er da gerade vor sich hat, sollte über seine eigenen Worte stolpern.

Ich hoffe, du hast einen Vater wie ich.

Ich werde zu laut sein.

Ich werde mich bei dir wohlfühlen und mir die Seele aus dem Leib lachen. Ich werde dir euphorisch, manisch beinahe meine Zukunftspläne an die Wand deines Schlafzimmers erzählen, in bunten Farben. Wenn ich einen Platz darauf weiß lasse, wirst du fragen, was damit ist.

Na, der ist für dich.”

Ich werde Panik bekommen.

Ich werde alle vor dir, all ihre Fehler, all ihre Taten, auch in dir vermuten. Niemand kann so sein wie du, irgendwo sind deine Makel.

Ich will sie jetzt wissen. JETZT JETZT JETZT!

Ich werde dich anschreien, ehrlich zu mir zu sein, was an dir mir weh tun wird.

Wenn du gehst, werde ich denken, ich hätte damit meine Antwort, ohne daran zu denken, dass es vielleicht keine Antwort auf diese Frage gibt.

Ich werde es nicht glauben können, wenn du am nächsten Morgen zurück kommst.

Ich werde dich anfassen wie eine optische Täuschung. Mein Kopf macht so viel kaputt, vielleicht will meine Netzhaut mich nur trösten.

Wenn ich endlich glaube, dass du es wirklich bist, werde ich mein Bett in weiße Laken hüllen, werde die Vorhänge aufreißen, werde Granatäpfel und Wein kaufen.

Denn das sind ab jetzt wir, denn ab jetzt lasse ich alles vorige los.

Du bist du und nicht eine Zufallsmenge aller anderen Menschen, die ich geliebt habe.

An diesem Tag werde ich nur deinen Namen sagen, ohne Stottern, ohne Vergessen.

 Bild: Ellen Weigel / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc-nd)

2 Comments

  • Antworten August 30, 2014

    Nadja

    Schöner Post! <3

  • Antworten August 31, 2014

    Wiebinichhiergelandet

    Wer sich so viele und schöne Gedanken über die Liebe macht, der bekommt hoffentlich etwas so schönes oder noch schöneres zurück!
    Finde deine Ausführungen sehr ansprechend, man bemerkt die Literatur im Blut, schätze mal die passt doch besser zu dir als die Kunstgeschichte.
    Ich drücke dir die Daumen.

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