Wohnen während des Studiums: allein, bei den Eltern, WG oder ab ins Wohnheim?

Mit dem Studium beginnt für die meisten von uns ein ganz neuer Lebensabschnitt, der nach der Wahl des Studiengangs und Studienorts auch zu der Frage führt, wo und vor allem wie man denn seine Zelte aufschlagen soll. Dabei gibt es mehr als nur eine Möglichkeit. Die 20. Sozialerhebenung des Deutschen Studentenwerks ergab, dass im Sommersemester 2012 die meisten Studierenden alleine oder gemeinsam mit ihrem(er) Partner(in) in einer eigenen Wohnung lebten (37%). Direkt darauf folgen die Wohngemeinschaften (29%) und die Daheimschläfer (23%). Nur jeder Zehnte wohnte 2012 in einem Wohnheim. Daraus folgt, dass die Frage des Wohnortes ganz unterschiedlich beantwortet werden kann, doch wie so oft im Leben hat alles seine Vor- und Nachteile.

 

Die eigene (Miet-)Wohnung- Freiraum um zu tun und zu lassen, was man will?

Die ersten eigenen, wenn auch meist mit Hilfe der Eltern finanzierten, Wände sind etwas ganz Besonderes. Man hat einen Ort für sich, um sich zurückzuziehen und die Welt hinter der Wohnungstür zu lassen, wann immer man möchte. Allein zu wohnen bedeutet mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung, schließlich müssen nun Termine mit Hausmeistern und Handwerkern, der Internetanschluss und das Einhalten der Hausordnung selbst gemanaged werden. Zum Lernen kann die eigene Wohnung sehr vorteilhaft sein: Keine Spontanpartys während der Klausurenphase und keine laute Musik.  Wem doch mal die Decke auf den Kopf fällt, kann jederzeit Kommilitonen einladen, ohne Rücksicht auf Mitbewohner nehmen zu müssen.

Pro:                                                                  

  • Viel Privatsphäre, um jederzeit nackig durch die Bude zulaufen und das Geschirr stehen zu lassen, wie es einem passt
  • Keine Kompromisse bei der Einrichtung oder dem Putzplan
  • Persönliche Entwicklung: man wird automatisch selbstständiger

Kontra:

  • Gefahr der Einsamkeit
  • Schlecht fürs Konto: die eigene Wohnung ist meist die teuerste Wohnform

 

Die Wohngemeinschaft – bin ich WG-tauglich?

Das Idealbild einer WG ist die Kombination aus gemütlichem Zusammensitzen, gemeinsamem Kochen, einem immer offenen Ohr und der eigenen Zimmertür, die jeder auch mal schließen kann, um seine Ruhe zu haben. Eine WG ist die beste und einfachste Möglichkeit, an einem neuen Studienort schnell Leute kennenzulernen und Anschluss zu finden. Die Mitbewohner wissen vielleicht schon, welches Essen man in der Mensa besser meiden sollte oder welcher Prof besonders streng ist – und falls nicht, kann man die neuen Erfahrungen miteinander teilen. Aber eine WG, vor allem je mehr Leute zusammenwohnen, ist nicht immer Jedermanns Sache. Es prallen oftmals komplett unterschiedliche Vorstellungen von Wohnen und Hygiene zusammen, denen mit einer gewissen Grundtoleranz begegnet werden muss. Für diejenigen unter euch, die noch unsicher sind: es hilft sich zu fragen, ob man Abstriche machen kann in Sachen Badnutzung und Platz im Kühlschrank und eventuell klein anzufangen. Zwei Mitbewohner können einen nämlich für den Anfang auch ganz schön auf Trab halten.

Pro:

  • Im besten Fall ist die WG eine Art Familienersatz
  • Günstiger, nicht nur bezogen auf den Wohnraum, sondern auch auf Nebenkosten, Internet etc.

Kontra:

  • Mitbewohner können zum Albtraum werden, deshalb evtl. mit Leuten zusammenziehen, die man schon etwas kennt.
  • Kompromisse müssen eingegangen werden und ein kleiner Streit ab und zu sollte verkraftet werden können, denn der perfekte Putzplan ist eine Illusion.

 

Zuhause bleiben- Hotel Mama?

Am bequemsten kann man es als Student im Elternhaus haben. Einkaufen und Wäsche machen ist dann doch meistens in die Alltagsroutine der Mutter integriert und der alte Freundeskreis ist, sofern nicht zum Studium weggezogen, auch noch in der Nähe. Verstopfte Abflüsse und eine streikende Heizung fallen ebenfalls nicht in den eigenen Zuständigkeitsbereich. Es kann aber auch nachteilig sein zuhause zu wohnen, sollte die Uni nicht direkt um die Ecke liegen. Außerdem ist daheim meist relativ viel Ablenkung geboten. Ständig möchte jemand etwas von einem, wenn man doch eigentlich gerade am Lernen ist.

Pro:

  • Enger Kontakt zu Familie und Freunden
  • Vertraute Umgebung, wenig Verantwortung für den Haushalt etc.
  • Günstigste Lösung, wenn die Eltern keine Miete verlangen

Kontra:

  • Evtl. weite Entfernung zur Uni -> Pendeln ist nervenaufreibend und teuer
  • Wohnt man weiter weg, fährt man auch nicht zu jedem Stammtisch oder jeder Party -> das kann es erschweren, Anschluss an andere Studenten zu kriegen
  • Man wird weniger selbstständig, als in einer WG oder einer eigenen Wohnung.

 

Das Studentenwohnheim- gleich und gleich gesellt sich gern?

Studentenwohnheime gibt es in Deutschland im Prinzip in der Nähe jeder Uni oder Hochschule. Dort gibt es Zimmer in vielen Größen- und Preisklassen: Man kann ein Einzelzimmer haben und sich aber Bad und Küche mit bis zu 12 Anderen teilen, aber auch wie in kleinen 2-er WGs oder in einer Einzelwohnung hausen. Die Preise sind dabei nach dem Hotel Mama am niedrigsten. Im Wohnheim trifft man überall Gleichgesinnte, egal ob im Waschraum oder am Briefkasten. Oft hat es einen Aufenthaltsraum und es finden regelmäßige Partys statt. Kurz um: im Wohnheim ist immer was los. Das kann spaßig sein, aber auch stören, sollte man gern seine Ruhe zum Lernen haben wollen. Vereinsamen wird man im Wohnheim definitiv nicht.

Pro:

  • Einfaches Bewerbungsverfahren- meist online, kein Vorortbesuch notwendig
  • Viele soziale Kontakte

Kontra:

  • Häufig lange Wartelisten, die Plätze sind bei der wachsenden Zahl an Studenten knapp
  • Keine Untervermietung bei Auslandssemester oder Praktikum möglich
  • Die meisten Wohnheime sind beschränkt auf eine bestimmte Semesterzahl pro Person

 

Fazit

Grundsätzlich ist Ausziehen zum Studium eine gute Sache. Ein bisschen Unabhängigkeit von den Eltern und ein paar neue Erfahrungen in Sachen selbständiges Schmeißen eines Haushaltes schaden schließlich nicht. Wer eher knapp bei Kasse ist, sollte eine WG oder das Wohnheim in Erwägung ziehen. Vielleicht findet sich auch eine Freundin oder ein Kumpel, um zusammen zuziehen. Es müssen ja nicht immer gleich 3 völlig Fremde sein. Gutes Konfliktmanagement zahlt sich auch im Studium oder Arbeitsalltag aus. Besonders wichtig: Informiert euch frühzeitig! Gerade bei den Wohnheimplätzen ist das notwendig. An vielen Unis und Hochschulen gibt es Wohnungslisten oder ein schwarzes Brett, um vor Ort Infos zu sammeln. Ansonsten wird man auch auf Portalen wie WG-Gesucht schnell fündig.

Also: Viel Glück bei der Wohnungs-, WG- oder Wohnheimplatz-Suche! 

Hinterlasst uns doch eure Meinung (oder eure kuriosesten WG-Erlebnisse) als Kommentar

Foto: Alexander Franke / www.jugendfotos.de

1 Comment

  • Antworten Januar 19, 2017

    Yvonne Kuefer

    Ich befinde mich zurzeit genau in der Situation und muss entscheiden wie ich zukünftig wohnen möchte. Ich tendiere zu einer WG, habe allerdings Sorge, dass das mit einer Wildfremden Person nicht so gut klappt. Hat irgendwer Erfahrungen gemacht? Viele Grüße

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