Wenn ich groß bin, bau ich mir ein Single-Zimmer!

Und es geht schon wieder sportlich los. Aber diesmal nur ganz nebenbei: „Liegst du auch am liebsten quer in deinem Doppelbett?“ schallte es aus den Kopfhörern meines iPods durch mein Hirn hindurch, als ich vor ein paar Tagen das erste Mal die grandiose Strecke von 5 Kilometern gejoggt bin. (Yay, me!) Recht hat der bärtige Tanja_V3Lockenmann Herr Herre. Ja, ich liege di-a-go-nal in meinem Einsvierziger Bett und erfreue mich des Lebens.

Er führt noch weitere Dinge auf, die man als Single machen kann und bittet darum, doch einfach Bescheid zu sagen, wenn man dies satt hat. Und ich dachte mir "Wieso soll ich denn satt haben, was mir gefällt?" Ich mein, klar, will ich irgendwann in einer Partnerschaft sein und klar, geht man da auch Kompromisse ein und dann lieg ich eben nicht mehr quer im Bett. Also, ich versuche es zumindest. Aber ich liebe meine sch*** Freiheit!

Solange ich Single bin, werde ich auch nichts ändern. Chaos im Kopf, Chaos in der Küche. Wen interessiert’s? Mich jedenfalls nicht. Gut, manchmal schon. Der kleine Monk in mir streitet sich von Zeit zu Zeit ein bisschen mit meinem inneren Hempels. Die haben so eine 2-Raum Butze zwischen meinen Synapsen und der erste will es immer total ordentlich, hat sein eigenes System und wird ein klein wenig nervös, wenn es nicht nach seiner Schnauze läuft. Hempels hingegen ist das egal. Der fühlt sich auch zwischen Tellerbergen wohl. Meist geht er halt auch als Gewinner aus der Diskussion hervor, denn: Ist ja niemand da, den es zu interessieren hat! Das muss der kleine Monk dann auch einsehen.

Vor Kurzem hat der Freak in mir allerdings die Oberhand gewonnen und ich habe mir neue Regalbretter, Einweckgläser und Gedöns für die Küche gekauft. Ordnung. *awwwwrrrr* Ich liebe es. Leinsamen, Hirse, Quinoa. Alles ordentlich umgefüllt, beschriftet und systematisch ins Regal gestellt. Wunderschön.

Vielleicht habe ich auch genau das gerade mit meinen Gefühlen gemacht. Sauber verschlossen hinter einer hübschen Verpackung aus Sarkasmus und Ironie (… dahinter ist das Leben gar nicht immer so bitter wie Chicorée… oh, „abgeschwiffen“…). Ein Verfallsdatum gibt es nicht. MHD: Bis jemand kommt, der es mit mir aufnehmen kann. So schnell lass ich keinen an mich ran. Aber sobald jemand auftaucht, der mich genauso cool findet, wie ich mich selbst, schenk ich dem ein Einweckglas mit meinen Gefühlen und wir haben gemeinsam dran zu knabbern. Bis dahin: Nach mir die Sinnflut!

Ich mein, wozu auch über meine Gefühle reden, wenn ich mit anderen über deren Gefühle reden kann? Ich bin grandios darin, anderen Tipps zu geben. Ein reiner Tipp-Titan. Eine meiner besten Freundinnen meinte mal zu mir „Ey, Tanja… du hörst eh nie auf mich, wenn ich dir was sage, aber hör doch einfach mal auf dich selbst! Du hättest mir das eben genauso geraten.“ Hoppla. Recht hat sie. Also, habe ich mir auch fest vorgenommen mehr auf mich selbst zu hören und zu horchen was die Synapsen-WG dazu sagt. Was würde ich anderen raten? Und das mach ich dann einfach selbst. So. Plan.

Das ganze Mal-auf-mich-selber-hören-Ding durfte ich Anfang des Jahres auch gleich mit großem Brimborium unter Beweis stellen, als ich einen durchaus charmanten und überaus attraktiven, bärtigen Kerl kennenlernte, der sich am Ende als doch gar nicht sooo putzig und schüchtern herausstellte, wie er wirkte. Aber dazu in voller Länge in einem meiner nächsten Posts.

Das Single-Dasein birgt so manch Begegnung der merkwürdigen Art, aber ich liebe es trotz alledem! So hab ich euch zumindest eine Menge zu berichten. Ist doch auch schön. Und wenn ich irgendwann denjenigen gefunden habe, der mit mir all die Einweckgläser mit meinen Träumen, Ängsten und Wünschen durchgeht, werde ich sicher auch einige von ihnen wegwerfen können.

Aber vieles werde ich auch mitnehmen. Ich bin wie ich bin. Selbst wenn ich es so machen muss wie Helmut Schmidt mit seinem „Menthol-Zimmer“. Der Altkanzler hat sich auch nichts verbieten lassen. Die Leute haben für seine „glühende Liebe“ Ausnahmen gemacht: In Fernsehstudios, bei Pressekonferenzen. Helmut Schmidt durfte rauchen, wo es andere nicht durften. Und nachdem ein Nichtraucher-Aktivist ihn anzeigte, kam er halt beim nächsten Mal mit Schnupftabak. Cooler Typ. Mein Vorbild.

Wenn ich irgendwann Menthol-Zigarette spiele und vom Markt bin, bau ich mir ein Single-Zimmer. Einen imaginären Raum mit all meinen Single-Relikten. Einen Raum, wo ich frei sein kann. Da tanze ich dann mit meinen Kumpels, ohne dass mein Freund eifersüchtig ist. Liege quer in meinem Doppelbett. Und stelle die Dinge im Regal so auf, wie es meinem inneren Monk gefällt.
Und wenn mein Partner meint, mich ändern zu wollen, atme ich einmal tief durch und denke mich dahin, wo ich ich bin. Dann werde ich ihn anschauen und ganz gelassen sagen „Mausezahn (mal nebenbei: ich hasse Kosenamen), wenn du nicht mehr willst, dass ich dich anzicke, nachdem du an meinem Schreibtisch warst, dann lass in Gottes Namen meine Textmarker so farblich sortiert und in dem Abstand zueinander liegen wie du sie vorgefunden hast! Vielen Dank.“
 

Warum seid ihr gerne Single bzw. welche schrulligen Eigenarten würde man in eurem (imaginären) Single-Zimmer finden?

Tüddelü.
Eure Tänne

 

Foto: Lolo Lita / www.jugendfotos.de

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