Verknallt in den Dozenten

Er wirkt selbstsicher, kompetent, verständnisvoll und als stünde er mit beiden Beinen im Leben, während er vor gut 200 Studenten im Hörsaal etwas über Wirtschaft, Mathematik oder Biologie, ganz egal welches Fach, erzählt. Sie, meist noch am Anfang des Studiums, ist hoch motiviert und hat eigentlich nur die eigene Zukunft im Kopf. Sich in einen Dozenten zu vergucken, ist meistens nicht geplant. Im Laufe der Zeit entdeckt „frau“ dann aber, dass der Dozent sehr freundlich, immer hilfsbereit und stets gut gelaunt ist. Zudem bietet er seine Hilfe beim Studium an und verhält sich generell sehr zuvorkommend. Außerdem fühlt es sich an, als würde er nur ihr solche Blicke während der Vorlesungen zuwerfen. Und Blicke sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte. Auf Grund dieses überaus netten Verhaltens, das der Dozent gegenüber anderen Studentinnen scheinbar nicht an den Tag legt, gerät sie ins Schwärmen. Erst ist es nur ganz leicht: Sie macht sich extra hübsch für die Vorlesungen, lernt dafür besonders viel oder versucht durch Präsentationen oder zusätzliche Aufgaben aufzufallen. Blicke, Mimik und Gesten werden aus ihrer Sicht immer eindeutiger. Und so nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Gerade in Zeiten, in denen junge und dynamische Lehrbeauftragte beizeiten die Universitäten und Hochschulen als Dozenten besuchen, passiert es immer häufiger, dass sie die Aufmerksamkeit und die Herzen der Studentinnen auf sich ziehen. Diese blicken zu ihnen auf, das macht attraktiv. Solch eine kleine Schwärmerei kennt jeder, der einmal einen hübschen Dozenten mit freundlicher, humorvoller Art hatte, der sich selbst noch gut an seine Studentenzeit erinnert. Gerade an den Hochschulen ist der Kontakt zu den Dozenten durch die kleineren Studiengänge besonders eng. Die häufigsten Konstellationen spielen sich zwischen Studentinnen und Dozenten ab, da Frauen eher von älteren Männern angezogen werden, als dass ältere Frauen Interesse an jüngeren Studenten zeigen.

Sollte es auf beiden Seiten gefunkt haben, spricht grundsätzlich – rein rechtlich – nichts gegen das Anbandeln mit dem Dozenten. Allerdings sollte jener die Prüfungen der Studentin nicht mehr bewerten, da er seinen Studenten gegenüber zur Neutralität verpflichtet ist und sonst gegen seine Berufsethik verstößt. Außerdem könnten die Prüfungsleistungen angezweifelt werden, was wiederum Stress im Studium bedeutet. Auch in der Öffentlichkeit kommt ein Verhältnis zum Dozenten nicht gut an. Zwar dürften hier beide Seiten volljährig sein, dennoch besteht ein Abhängigkeitsverhältnis zwischen Student und Dozent und man begegnet sich nicht auf der gleichen Augenhöhe.

Manchmal ist eine Schwärmerei eben auch nur eine Schwärmerei und sollte es bleiben. Man darf nicht vergessen, dass man dem Dozenten womöglich mehrmals in der Woche unter die Augen treten muss, was nach einem erfolglosen Liebesgeständnis möglicherweise nicht so angenehm ist. Die höflich-sachliche Ebene wird leicht mit der Gefühlsebene verwechselt und man interpretiert in ein Verhalten mehr hinein, als tatsächlich dahinter steckt. Schließlich ist es als Dozent wichtig, auch ein gewisses Feingefühl gegenüber seinen Studentinnen zu haben. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass er auch Schmetterlinge im Bauch hat.

Eine Affäre zwischen Student und Dozent kann (gut) funktionieren, wenn beide Seiten reif genug dafür sind. Es muss klar sein, dass eine klare Trennung zwischen Lehrbetrieb und Privatleben notwendig ist und an der Uni immer noch das Studenten-Dozenten-Verhältnis bestehen bleibt. Eine solche Liaison kann nämlich, gerade im Fall einer möglichen Trennung, einiges verkomplizieren.

Im Endeffekt ist es so: Gegen eine harmlose Schwärmerei und einen Flirt spricht zunächst einmal nichts, aber von etwas Ernstem sollte man lieber die Finger lassen, bevor man sie sich noch verbrennt.  Das Träumen und die Fantasie – das bleibt uns schließlich allen erhalten. :)

Foto: Philipp Linstädter / www.jugendfotos.de

3 Comments

  • Antworten Februar 16, 2016

    Hanne

    Ich bin mit einem Dozenten von mir zusammen und die Beziehung funktioniert super. Er hat schon während der Seminare immer ein wenig mit mir geflirtet bzw. auf mich reagiert, aber richtig miteinander ausgegangen sind wir erst, nachdem das Semester zu Ende war und die Benotung abgeschlossen. Dann ging aber alles ganz schnell. Anfangs waren wir beide dann aber doch noch etwas vorsichtig und sind für unsere ersten Dates in eine andere Stadt gefahren, um nicht im Kino oder beim Spaziergang durch die Stadt andere Studenten aus dem Studiengang zu treffen (wir leben in einer relativ kleinen Universitätsstadt, wo das durchaus passieren kann). Mit der Zeit haben wir es dann aber offiziell gemacht – sprich: es wissen meine Kommilitonen und seine Kollegen – und niemand hat da ein Problem damit, weder mit dem Altersunterschied von gut 10 Jahren, noch mit der Tatsache, dass wir regelmässig zusammen in der Mensa sitzen und er mich auch mal küsst wenn er mich an der Bibliothek abholt oder den Arm um mich legt, wenn wir über den Campus laufen. Mit dem Heiraten wollen wir aber noch warten, bis ich und meine Freunde den Abschluss haben, damit auf unserer Hochzeit nicht Studenten und Dozenten nebeneinander sitzen müssen. Ich kann also nicht zustimmen, dass man von einer solchen Beziehung grundsätzlich die Finger lassen sollte. Wenn es beide ernst meinen und man wirklich Interesse aneinander und Lust aufeinander hat (und es von beiden Seiten mehr ist als nur eine Schwärmerei), dann lasst euch wie wir einfach darauf ein!

    • Antworten Februar 24, 2016

      Katrin

      Hi Hanne, wow, danke, dass du deine Story mit uns teilst. Toll, dass es bei dir und deinem Freund so gut geklappt hat. Gerade bei einer kleinen Studi-Stadt gehen ja schnell Gerüchte um.. Warst du dann schon weiter fortgeschritten im Studium als ihr es offiziell gemacht habt? Oder hattest du ihn im nächsten Semester etwa noch als Dozenten? 

  • Antworten Februar 26, 2016

    Hanne

    Hey Katrin,
    ich war ungefähr in der Mitte meines Bachelorstudiums, als wir zusammengekommen sind. Mein Freund doziert zum Glück nur in den unteren Semestern. Wir kannten uns somit schon ein Jahr aus den Kursen, aber den ersten Schritt auf mich zu (abgesehen von kleineren Flirts) hat er wirklich erst gemacht, als klar war, dass wir uns nicht mehr in Pflichtkursen begegnen werden. Das war für mich auch wichtig. Durch das Warten seinerseits habe ich gesehen, dass ihm wirklich etwas an mir liegt und es ihm nicht nur um eine kurze Geschichte mit einer Studentin geht. Und er kam nicht in die Zwickmühle, bei der Benotung voreingenommen zu sein, weil er mit mir und meinen Freunden schon privat Kontakt hatte.

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