Beziehungsstatus: In a Textlationship – zum Tag der virtuellen Liebe

Liebe schwarz auf weiß, immer wieder abrufbar und mit Smileys geschmückt. Dass sich zwei Menschen über das Internet kennenlernen, ist heute Gang und Gebe. Dass daraus langjährige Beziehungen oder Lebenspartnerschaften entstehen, ist heute nicht mehr so außergewöhnlich, wie noch vor ein paar Jahren. Damals lernte man sich auf Partys oder im Verein kennen. Manchmal funkte es auf den ersten Blick, manchmal brauchte es ein oder zwei mehr. Heute geht es auch ohne diese Kennenlernphase. Über Chats und soziale Netzwerke kann schnell und einfach Kontakt zu fremden Menschen hergestellt werden und genauso schnell lässt sich schriftliche Nähe aufbauen. Schüchternheit und Hemmungen bleiben vor dem eigenen Bildschirm und nur das geschriebene Wort kommt tatsächlich an. Kusssmileys und Herzchen machen Geständnisse leichter, für die einem ansonsten vielleicht der Mut oder die Worte fehlen würden. Im englischen ist das Wort Textlationship schon längst ins Umgangssprachliche eingeflossen. Sind diese Gefühle wirklich echt? Gibt es die virtuelle Liebe tatsächlich? Zum heutigen Tag der virtuellen Liebe möchte ich heute einen kleinen (persönlichen) Rückschluss dazu ziehen.

Onlinedating ist praktisch und unkompliziert. Man sitzt vor dem Computer und pickt sich eigenhändig potenzielle Partner heraus. Das geht mit einem Kaffee in der Hand und in der Jogginghose. Schlagfertigkeit oder Kreativität ist nicht nötig. Schließlich ist das lang nicht so schwer, wie jemanden auf der Straße anzusprechen. Der Kontakt erfolgt dann schriftlich und zeitverzögert. Sollte einem nichts Gutes einfallen, kann man ja auch mal Sprüche googeln. Erst bei Interesse wird weiter kommuniziert. Doch in Zeiten von Messengern wie Whatsapp erfolgt selbst das schriftlich. Und in manchen Fällen bleibt es sogar für eine lange Zeit bei dieser schriftlichen Kommunikation.

Schließlich ist es auch aufregend! Das Warten auf eine Nachricht, das Kribbeln, wenn sie endlich da ist, das Diskutieren mit Freundinnen darüber… Grundsätzlich ist dagegen ja nichts zu sagen. Man führt online sozusagen eine Vorauswahl durch, die einem eventuell misslungene Dates ersparen kann. Die Nachrichten schmeicheln dem eigenen Ego und können als kleines Highlight im Alltag genossen werden. Schüchternen gibt das Schreiben Sicherheit und einen Tick mehr Selbstbewusstsein.

Zwischenfazit: Onlinedating wird immer selbstverständlicher. Schließlich bietet es auch einige Vorteile. Doch trotz der rosaroten Brille ist nicht immer alles so toll, wie es scheint. Lügen schreiben sich genauso schnell, wie coole Anmachsprüche und über Fake- Profile lassen sich ganz neue Identitäten kreieren. Online den Traumpartner finden, sieht auf den ersten Blick definitiv einfacher aus, als es hinterher ist.

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Vor allem, wenn der Schriftverkehr so lange nicht vom persönlichen Kennenlernen ersetzt wird, bis man schon das Gefühl hat verliebt zu sein? Wenn die Schmetterlinge allein durch die Textnachrichten und Chats aufflattern? Hat die virtuelle Liebe dann Zukunft?

Die Antwort lautet: Vielleicht ja, vielleicht nein. Wie so oft im Leben kommt es auf jeden individuellen Fall an. Denn auch wenn man sich vor dem ersten Date noch so gut online kennengelernt hat, ist es persönlich noch einmal ganz anders. Tatsächlich kann die so schön aufgebaute Onlinebeziehung in natura weitaus weniger schön sein. Denn der große Nachteil am langen Onlinedating ist: Es haben sich Erwartungen aufgebaut. Erwartungen, die aus den Texten gezogen werden und von denen aber der andere vielleicht gar nichts weiß; die er vielleicht auch nicht erfüllen mag oder kann.

Außerdem stellt sich die Frage: Kann man sich schriftlich zu viel mitteilen? Bleiben genug Gesprächsthemen übrig? Wenn man auf der gleichen Wellenlänge surft wahrscheinlich schon. Wenn beide schüchtern sind, ist es evtl. nachteilig, wenn schon alle unverfänglichen Themen per Nachricht abgehandelt wurden. Eine pauschale Antwort gibt es leider nicht.

Der Zulauf zu den vielen Partneragenturen, die sich im World Wide Web finden lassen, beweist: Wir können uns basierend auf virtuellen Liebesbotschaften verlieben. Daraus ziehen wir Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des anderen und basteln uns ein Bild. Und in dieses Bild verlieben wir uns, egal ob es verzerrt oder wirklichkeitsfremd ist. Aller Wahrscheinlichkeit nach beziehen wir dabei eine ordentliche Portion der eigenen Wünsche mit ein, denn Auslöser für das ganze ist ja nicht die Liebe auf den ersten Blick, wie es sie vielleicht sonst geben mag, sondern die eigene Sehnsucht. Ohne Sehnsucht, wären die meisten nicht online unterwegs.

Der Unterschied ist schlicht und ergreifend, dass man in der Realität so viel mehr vom Gegenüber mitbekommt: Gerüche, Berührungen, sein Anblick- alles Dinge, die auf unsere eigenen Sinne einwirken. Man erlebt den anderen direkt und kann genauso unmittelbar auf ihn reagieren. Dieser Austausch fehlt im Internet, was oft dazu führt, dass man seine eigenen Vorstellungen auf den anderen projektiert. Ob das dann wahre Liebe ist, entscheidet sich allerdings doch erst beim ersten Treffen. Leidenschaft und Vertrauen, lassen sich eben doch eher im Miteinander erleben oder entwickeln.

Kurz und gut: Kennenlernen im Internet ist wunderbar, wenn es dazu dient Informationen auszutauschen und sich ein grobes Bild zu verschaffen. Wer aber auf die große Liebe hofft, sollte den Sprung in die Wirklichkeit wagen und die Idealvorstellung vom Bildschirm mal selbst auskundschaften.

Deshalb: Lasst uns den Tag der virtuellen Liebe feiern, aber uns gleichzeitig darauf freuen die wahre Liebe bald in den Arm nehmen zu können- und das nicht per Smiley ;) Wir freuen uns auf jeden Fall auf jede Menge reale Begegnungen, Umarmungen, und zauberhafte Momente.

"Louisa Schuster" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc)

Titelbild: AwetumJoygasm / deviantart.com / CC-Lizenz (by) 

Foto: "Louisa Schuster" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz (by-nc)

2 Comments

  • Juli 25, 2014

    Saskia

    Ein toller Beitrag. Ich denke, dass es damals wie heute schwer ist den richtigen Partner zu finden. Ich habe ihn im Freundeskreis gefunden. Leider ist das nicht immer möglich oder ab einem gewissen Alter nicht mehr möglich (weil sich schon Paare gefunden haben, Hochzeiten und Kinder kriegen auf dem Plan der anderen stehen). Die Singles haben es nicht leicht. Und im Internet wären mir viel zu viele schwarze Scharfe unterwegs.

  • Juli 27, 2014

    Linda

    Hallo Saskia,
    danke für den netten Kommentar! Ja du hast schon Recht, das mit der Partnersuche ist immer so eine Sache. Schön, dass es bei dir geklappt hat!
    Liebe Grüße an dich!