„Ähm sorry, ich würde mich gerne beschweren…“

Es gibt für jeden Unsinn einen Ansprechpartner, wenn mir etwas nicht passt. Es gibt Beschwerdehotlines bei Telefonanbietern, es gibt Leserbriefe an Zeitungen, es gibt Lob- und Kritikkästen in Fitnessstudios. Es gibt Entschuldigungs-Gutschriften, Entschuldigungs-Gutscheine, Entschuldigungs-Rabatte. Aber wo um alles in der Welt kann ich mich über Karma, Schicksal, schlechtes Wetter oder dumme Zufälle beschweren?

Bestes Beispiel. Gott (vielleicht da?!) hat mich mit einem relativ gesunden Körper ausgestattet und eigentlich ist auch alles dran, was man so zum Überleben braucht. Eigentlich. Aber: Frühsommer, Pia hat neue Schuhe und neues Kleid, es wird gerade warm, sie will sich etwas herausputzen und muss…zum Tierarzt. Also nein, nicht ich, sondern meine beiden Nager (Meerschweinchen um genau zu sein. Mit den beiden epischen Namen Effi und Goethe. War eine Zwangsheirat. Aber das nur nebenbei). Reine Routine, tierelterliche Pflichten halt. Die beiden sicher (haha…) verstaut in einer Box, ich ganz hübsch gemacht, der Tierarzt ist ein ganz ansehnlicher Mann. Bis dahin noch alles tutti. Ich wohne im dritten Stock im Altbau, musste also ca. 68.324 Stufen hinter mir lassen. Die ersten drei war auch noch alles gut, dann allerdings duckte sich eine der Stufen und ich machte einen Salto, drehte mich zweimal um die eigene Achse und stürzte. Mein Schuh (vielleicht war der Absatz etwas, also ein minibisschen zu hoch für den Anlass) blieb mit Fuß drin und Körper dran in der Brüstung stecken, ich lag auf der Seite und die Box mit den beiden Tieren öffnete sich, flog ebenfalls und katapultierte Madame Effi fünf Stufen in die Tiefe. Düdum. Wir alle drei haben es überlebt, eines der Schweine trug eine Platzwunde davon, ich mehrere Hämatome und andere schmerzhafte Erinnerungen. Soweit so dumm. Aber nun die Frage? Wo  genau kann ich jetzt dafür Beschwerde einreichen? Und wann bekomme ich meinen Entschuldigungs-Gutschein?

Es ist ja auch nicht so, als würden mir solcherlei Dinge nur so ein-, zweimal im Jahr passieren. Alleine das letzte Jahr brachte mir eine verbrühte Hand, drei Treppenstürze, einen gebrochenen Zeh durch einen Eisenständer, eine Rückenverletzung…ja, ich bin ein Tollpatsch. Aber ich sehe es auch irgendwie nicht ein, alleine Schuld an solchen Eskapaden zu sein.

Von wirklich schlimmen Dingen mal ganz zu schweigen. Was zum Beispiel denkt sich das Leben dabei, einen durch kleinste Kleinigkeiten an Dinge zu erinnern, an die man sich eigentlich nicht (mehr) erinnern will? Warum gibt es nicht irgendeinen Schutzmechanismus, den man aktivieren kann, wenn`s mal wirklich hart auf hart kommt? Warum begegnet man stattdessen einer Person an allen erdenklichen Orten zu jeder erdenklichen Zeit genau dann, wenn man sie am wenigsten sehen will? Und warum ist das Leben für einige eine einzige Aneinanderreihung aufeinander folgender Pechsträhnen?

Jaja, der ganze Spaß wird hier wohlmöglich schon wieder eine Spur zu philosophisch. Man kann die Ungerechtigkeiten des Lebens nun mal einfach nicht immer erklären. Und – Achtung, das Wort zum Sonntag bzw. Montag – vielleicht ist unser aller Entschuldigungs-Geschenk ja einfach das große Glück, leben zu dürfen. Ganz ohne Beschwerdehotline. Und mit meinen Stunts erheitere ich immerhin ja das Leben anderer.

 

Titelbild: consumerfriendly via flickr.com (CC BY-NC-SA 2.0)

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